Faninitiative Mannheim

Nachgefragt mit Stadionsprecher Jens Schneider...

Bild: PIX-Sportfotos/M. Ruffler

Hallo Jens,
zunächst herzlichen Dank, daß Du Dich für ein paar Fragen zur Verfügung stellst und herzlichen Glückwunsch zu Deinem neuen Vertrag als Adler-Hallensprecher.

 

1. Was machst Du eigentlich beruflich?

Ich habe gleich mehrere Jobs gleichzeitig: Im Hauptjob arbeite ich vollzeitlich als Redakteur und Moderator bei „Radio Regenbogen“, meistens moderiere ich dort die Vormittagssendung. Daneben folge ich seit 2013 einem Kindheitstraum und helfe bei der RNV zeitweise als Straßenbahnfahrer aus. Seit 2016 bin ich außerdem als Hallensprecher bei den Adlern im Einsatz, was ich ebenfalls professionell ausfüllen möchte. Und wie bekommt man all diese Tätigkeiten unter einen Hut? (lacht) Das werde ich oft gefragt – und frage ich mich auch selbst immer wieder. Im Prinzip hilft ein guter Kalender, aber manchmal muss ich auch die ein- oder andere Verabredung absagen. Meistens gelingt mir meine Terminplanung ganz gut, manchmal brauchen meine Familie und Freunde aber auch vieeeel Verständnis, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Das Geheimnis liegt darin, dass ich eigentlich nur mache, was mir auch wirklich Spaß bereitet. Dadurch sind das alles keine Termine, die Stress auslösen, sondern ich freue mich auf jeden einzelnen.

 

2. Wie bist du eigentlich zum Eishockey gekommen?

Ich habe früher nie Eishockey gespielt, war aber bereits als Kind von diesem Sport fasziniert und bin dann immer öfter selbst zum Eishockey gegangen und habe mitgefiebert. So bin ich dabei geblieben und bin bis heute ein großer Fan. Zu dem Job als Hallensprecher bei den Adlern kam ich zum einen über die Verbindung zu Udo, mit dem ich zwischen 2012 und 2018 zusammen in Leutershausen beim Handball gesprochen und von ihm gelernt habe. Vor allem aber auch durch meinen Freund und Kollegen Antti Soramies, der mich durch regelmäßiges Mitnehmen zu seiner Arbeit bei den Spielen, seinen menschlich und fachlich immer wertvollen Ratschlägen und der Möglichkeit bei den Jugendturnieren in der Nebenhalle zu sprechen für diesen Job fit gemacht hat. Wir sind ein gutes Team und die Zusammenarbeit macht großen Spaß.

 

3. Du hast auch schon Spiele der Jungadler in der Nebenhalle betreut, setzt Du dieses Engagement fort?

Als Hallensprecher bei den Jungadlern war ich nur bei Turnieren aktiv. Mein erstes Spiel fürs Eishockey habe ich 2014 beim U16 Turnier in Mannheim gesprochen. Seit dem helfe ich auch regelmäßig beim DEL Junior-Cup, der eine internationale Besetzung hat und jetzt bald wieder ansteht. Ich finde es wichtig, auch den Nachwuchs zu unterstützen.

 

4. Welche Vorgaben gibt es für Hallensprecher von der DEL oder von den Adlern?

Ich beschäftige mich da vor allem mit den Announcer-Regeln vom internationalen Verband IIHF (ca. 30 Seiten umfassend). Neben den gängigen Formulierungen für Strafzeiten etc. sagt deren Grundmaxime: Als offizieller Vertreter der Heimmannschaft hat man das generelle Gebot der Fairness zu beachten, also den Gegner nicht zu benachteiligen oder gar zu beleidigen. Natürlich wird jedem Stadionsprecher da stillschweigend eine Nähe zur eigenen Mannschaft zugestanden, aber die darf eben nicht dazu führen, dass man den Gegner verunglimpft. Von den Adlern gibt es in dieser Beziehung überhaupt keine Vorgaben, das liegt in meinem eigenen Ermessen. Allerdings gibt es ca. 2 Stunden vor jedem Spiel eine Regie-Besprechung mit allen Beteiligten, wo dann das Vorgehen für alle Spielsituationen im Einzelnen besprochen und festgelegt wird. Ansagen während des Spiels werden fast ausschließlich von den Schiris veranlaßt. Außerhalb des Spielgeschehens (z.B. in den Pausen) bleibt dann Zeit für individuelle Durchsagen. Diese werden vorher in der Regie-Besprechung erörtert. Gibt es ggf. sogar Strafen? Nun ist ja das Eishockey gottseidank ein Sport, wo es unter den Beteiligten normalerweise menschlich und fair zugeht; aber u.U. kann der Schiedsrichter für unbotmäßiges Verhalten des Bankpersonals (oder auch von anderen Offiziellen) z.B. eine kleine Bankstrafe für die Heimmannschaft aussprechen, oder den Verein im Nachgang mit Sanktionen belegen. Möglich ist das grundsätzlich schon.


5. Wann hattest Du Deinen ersten Kommentar in der großen Halle zu sprechen?

Daran erinnere ich mich ganz genau: das war am 18. August 2016 in dem CHL-Spiel gegen Lugano.

 

6. Wie ist der Ablauf am Mikrofon mit Udo abgesprochen?

Zunächst einmal habe ich riesengroßen Respekt vor Udos profunder und langjähriger Erfahrung als Hallensprecher und bin sehr dankbar, an seiner Seite bei den Adlern tätig zu sein, was ich mir nie hätte träumen lassen. Er verkörpert mit seinem Elan und seiner Stimme einen großen Teil des Heimatgefühls in der Arena und bei den Adlern generell. Daher gibt es eine grundsätzliche Absprache: Udo übernimmt die Begrüßung und die generellen Ansagen bis zum Spielbeginn und in den Pausen. Sobald die Uhr läuft, setzt dann mein Part ein. Viel wird dabei auch von den Schiedsrichtern vorgegeben: Die sagen uns zum Beispiel, welche Torschützen und Strafen angesagt werden. Deshalb kann es manchmal ein paar Sekunden dauern, bis nach einer Aktion eine Ansage erfolgt, da wir auf die Informationen der Schiedsrichter warten müssen. Sobald das Drittel beendet ist, gebe ich das Mikrofon wieder an Udo zurück. In manchen Fällen erlaube ich mir kleine Ausnahmen: Als zum Beispiel das entscheidende Tor zur letzten Meisterschaft gefallen war, gab ich zur Toransage das Mikro an Udo weiter, weil ich weiß wie viel ihm solche Situationen bedeuten. Ich bin zuversichtlich in Zukunft selbst noch viele meisterschafts-entscheidende Tore ansagen zu können, ich bin ja noch ein paar Jahre jünger.

 

7. Tauschen sich die Hallensprecher untereinander aus oder gibt es gar so etwas wie Freund- oder Feindschaften?

Obwohl ich im Grunde ein sehr „vernetzter“ Mensch bin, gab es in den vergangenen 3 Jahren in denen ich diesen Job mache leider wenig Gelegenheiten, andere Hallensprecher kennenzulernen. Ich fahre ab- und zu auf Auswärtsspiele mit. Da höre ich dann was die Kollegen so anstellen, kann meinen Horizont erweitern und besser einschätzen, wie das bei uns zuhause läuft. Persönlich kennengelernt habe ich bis jetzt die Hallensprecher Steffen Schnizer aus Heilbronn und beim „Winter Game“ den Schwenninger Kollegen Domenic Liebing, die beide sehr nette Kollegen sind. Bisher waren Begegnungen mit dem Hintergrund-Team anderer Mannschaften immer sportlich und spannend und ich finde einen ehrlichen Austausch immer förderlich.

 

8. Wie werden diese Saison die CHL-Spiele gestaltet, gibt es Ansagen in Fremdsprachen?

Das kenne ich ja schon aus meinem ersten Jahr 2016. Die CHL verlangt im Prinzip, dass durch den Besuch ausländischer Mannschaften alles auch in Englisch angesagt werden muss, damit jeder verstehen kann was passiert. Ansonsten bleibt es bei der grundsätzlichen Abmachung mit Udo; er ist ja auch des Englischen mächtig. Mein Part ist der Spielverlauf, während Udo „alles außenrum“ macht. Alle Details werden wie immer kurz vor Spielbeginn in der Regie-Besprechung festgelegt.

 

9. Was kannst Du machen, dass bei gegnerischen Toren die Stimmung in der Halle nicht kippt ?

Das ist eine spannende Geschichte: was ist eigentlich die Aufgabe eines Stadionsprechers – da scheiden sich ganz oft die Geister. Ehrlich gesagt: als Sprecher hast Du da wenig Möglichkeiten, denn du bist ja kein „Animateur“. Die Stimmung in der Halle wird hauptsächlich durch das Spielgeschehen und durch die Einstellung der Besucher bestimmt. Wenn die Stimmung kippt, kannst Du moderierend und ruhig einwirken. In besonderen Situationen kann man durch den Einsatz der Stimme einen gewissen Motivationsschub auslösen; aber – wie gesagt – die Mittel sind sehr begrenzt und das Spielgeschehen ist hauptverantwortlich für das Geschehen auf dem Eis und die Stimmung in der Arena.

 

10. Wie bereitest Du Dich auf ein Spiel vor?

Natürlich ist es unabdingbar, sich eingehend mit den Namen und der Aufstellung der gegnerischen Mannschaft auseinander zu setzen. Antti hilft mir dabei mit seiner Riesen-Erfahrung. Ich kann viel von ihm lernen und wir stimmen uns dabei auch ab, was er im Radio und ich in der Arena sagen werden. Zentrale Vorbereitung ist mit der Regie-Besprechung gegeben, wo von Einlaß bis Spielende im Detail festgelegt wird, wann welche Informationen rund um das Spiel gestreut werden (z.B. Hinweise, Werbedurchsagen etc.). Während des Spielverlaufs schreibe ich alle Durchsagen akribisch mit, um Missverständnissen und Fehlern vorzubeugen. Auf der Bank führt unser Punktrichter Andreas Richter als Chef des Bankpersonals die Aufsicht und kann ggf. korrigierend eingreifen. Mit ihm stimme ich die Ansagen während des Spiels immer ab.

 

11. Was war dein schlimmster Versprecher ?

Trotz aller Professionalität ist es menschlich, wenn in der größten Hektik auch mal Fehler passieren. Am schlimmsten ist natürlich, wenn man Tore für die eigene oder gegnerische Mannschaft verwechselt. Solche Sachen passieren dann, wenn sich auf der Zeitnehmerbank Hektik verbreitet (z.B. bei lange dauerndem Video-Beweis oder vielen anfallenden Strafen auf einmal, sowas ist immer eine heikle Geschichte). Ich erinnere mich z.B. an einen Vorfall, als der Schiedsrichter in einem Beweisfall die Hintertor-Kamera zu Rate ziehen wollte, deren Bilder aber aus technischen Gründen in der Halle nicht zur Verfügung standen. Wir mussten dann den Ü-Wagen der Telekom vor der Arena bemühen, die Bilder einzuspielen. Um die Zeit, bis die Bilder in die Halle zurückgespielt werden konnten zu überbrücken, hat mich der Ref dann gebeten, die Ursache für die Verzögerung dem Hallenpublikum bekannt zu geben, damit keine Unruhe entsteht. Sowas ist natürlich unangenehm, da es dafür immer Pfiffe gibt. Ähnlich wie die Pflichtansagen, die beim Werfen von Gegenständen aufs Eis erfolgen müssen. Da sind negative Publikumsreaktionen immer vorprogrammiert. In solchen Ausnahmefällen gilt es also, möglichst die Ruhe und Übersicht zu bewahren. Manchmal kommt es auch vor, dass die Schiedsrichter einen anderen Torschützen gesehen haben, dann müssen wir dies auch gegen besseres Wissen weitergeben und später evtl. korrigieren, denn wir sind an die Aussagen der Schiedsrichter gebunden. Was richtig Blödes ist mir Gottseidank noch nicht passiert.

 

12. Was können die Fans zu einer besseren Arena-Stimmung beitragen ?

Gute Frage! Ich glaube, dass wir wieder mehr soziales Miteinander, mehr Gemeinschaft brauchen und auch pflegen müssen. Es ist wie in einer Ehe: Alle müssen daran mitarbeiten, dass Eishockey Teil unseres Lebens und das Spiel ein Highlight der Woche wird bzw. bleibt. Das bedeutet alle – die Organisation, Fans und Spieler – müssen mit Engagement daran mitwirken und jeder seinen kleinen Anteil dazu beitragen. Da mache ich auch gerne mit.


Lieber Jens mit dieser positiven und Nachdenkens werten Botschaft wollen wir das Interview beenden und danken herzlich für Deine Zeit und Auskunftsbereitschaft.

Bernd Rothacker, Mannheim den 05.08.2019