Faninitiative Mannheim

Nachgefragt mit Jungadlertrainer Sven Valenti...

Hallo Herr Valenti,
zunächst vielen Dank, daß Sie sich kurz vor dem Saisonstart mit den Jungadlern als Chefcoach für ein paar Fragen zur Verfügung stellen.


1. Wie die meisten Eishockey-Enthusiasten wissen, entstammen Sie einer wahren Eishockey-Dynastie (gebürtig aus Freiburg, haben selbst in MA gespielt, Ihr Sohn spielt bei den Adlern, Schwester Maren war die vielleicht beste deutsche Eishockey-Spielerin).
In welchen Lebens-Bereichen trifft eine solche Pandemie eine Sportler-Familie besonders schwerwiegend?

Natürlich trifft uns die Situation wie alle anderen Teile der Gesellschaft. Unsere Schwierigkeit besteht in erster Linie darin, dass man nur noch von Woche zu Woche planen kann, weitergehende Perspektiven sind sehr schwierig vorher zu sehen, da sich die Vorgaben der Verwaltung  jederzeit ändern können. Aber damit haben wahrscheinlich alle zu kämpfen.  Wichtig ist, die Regeln akribisch einzuhalten, damit wir unseren Sport weiter ausüben können.

2. Wie geht es Euch bei den Jungadlern? Seid Ihr  alle gesund aus der Quarantäne gekommen?

Die RB-Akademie in Salzburg musste wegen 28 Corona-Fällen komplett schließen!
Das ist natürlich ein Thema über das wir auch sprechen; die Red Bull –Akademie ist ja noch größer und beinhaltet auch Fußballer, da ist die Ansteckungsgefahr selbstverständlich noch größer. Wir hatten ja auch schon ein paar Fälle, die gottseidank alle glimpflich verlaufen sind. Wir halten auch alle Mannschaften (Altersstufen) strikt getrennt voneinander. Selbst zu den Kabinen haben wir Zugangskontrollen eingeführt, die auch vom Gesundheitsamt immer wieder überprüft werden. Somit minimieren wir zumindest das Verbreitungs-Risiko.

3. Wie ergeht es Ihrem Sohn Yannick bei den Adlern?

Nun, auch er leidet unter der „besonderen“ Situation, allerdings konnten die Jungs Ihr Sommertraining planmäßig durchziehen.
Dennoch leiden sie – wie alle - auch unter der andauernden Ungewissheit (wann und wie geht es los?). Einen Vorteil haben die U23-Spieler, die in Heilbronn die Vorbereitung mitmachen konnten  und auch schon 3 Testspiele hinter sich haben. Das war für Ihn wie eine Befreiung. Damit hat er natürlich ein konkretes Ziel, auf das man zuarbeiten kann, was für jeden Profi-Sportler sehr wichtig ist.
Neben den Profis, die ja damit auch ihren Lebensunterhalt verdienen, ist die Aussicht auf einen Saisonstart natürlich für die gesamte Sportart bis hinunter zu den Jugendmannschaften sehr wichtig.

4. Ein kleiner Blick zurück: Wie ist aus Ihrer Sicht die vergangene Saison bei der U17 bis zum Saisonabbruch gelaufen? (nachdem ihr in der Vorsaison die Meisterschaft errungen hattet)

Bis zum Abbruch war die Saison eigentlich für uns toll gelaufen. Wir hatten gerade am Wochenende vor dem Abbruch unseren großen Rivalen, die Junghaie, zweimal besiegt und galten als erneuter Favorit auf die Meisterschaft. Dann kam das abrupte Ende, was für die Jungs so kurz vor der Meisterschaft natürlich brutal war. Dies war doppelt schade, weil die Jungs zur Einheit zusammen gewachsen waren, alles vorbereitet war (die Haare waren schon gefärbt) und für die jungen Leute der Abbruch damals nicht so recht nachvollziehbar war. Dies hat auch mir für die Mannschaft sehr leidgetan.

5. Seit dem Saison-Abbruch im Frühjahr gab es für die Jungs keine Spielpraxis mehr?

Nein, wir mussten praktisch von 100 auf null herunter fahren. Zum Sommertraining hatten wir in diesem Jahr auch kein Eis, der internationale DEL Cup und das Prospect Camp sind ebenfalls dem Corona-Virus zum Opfer gefallen. Wir müssen halt versuchen, das Beste daraus zu machen.

6. Wann und wie haben Sie von Ihrer Berufung zur U20 erfahren?

Das kam für mich definitiv sehr überraschend. Als sich Frank dafür entschieden hat, nach Nürnberg zu gehen, habe ich zunächst vollstes Verständnis für ihn gehabt. Wenn man (einmal im Leben?)  eine solche Chance erhält, muss man sie auch wahrnehmen.

7. War dies eine einfache Entscheidung für sie?

Nun, ich wusste, dass seine Nachfolge nicht einfach wird, weil die Erwartungshaltung in Mannheim eben sehr hoch ist.  Wir haben ja auch die letzten Jahre eng zusammen gearbeitet und ich konnte Einblicke in die Arbeitsweise gewinnen auch viel von ihm lernen. Außerdem hat er mir selbst zugeraten, diesen interessanten Job bei der U20 zu übernehmen.

8. Was ist eigentlich bei der U20 das Ziel für diese besondere Saison?

Nach 15 Meisterschaften in der Vergangenheit ist die erneute Meisterschaft kein Selbstläufer, zumal die Konkurrenz – insbesondere die Kölner – auch stark aufgerüstet haben. Aufgrund der der U21- bzw. U23-Regel in der DEL ist es auch schwieriger geworden, Endjahrgänge in der Mannschaft zu halten, weil diese dann eben früher in eine Förderlizenz wechseln. Berlin und Köln haben zwei  17jährigen Jungs schon 4-Jahresverträge gegeben! Hinzu kommt die Konkurrenz durch die Red Bull-Akademie. Aber auch die Jungs, die bei uns geblieben sind, schaffen immer früher den Sprung nach oben; ein Zeichen, dass wir nicht alles falsch gemacht haben können! Positive Folge: auch die jüngeren Jahrgänge übernehmen früher Verantwortung und können dadurch noch eher reifen.
Somit haben wir auch in dieser Saison wieder eine sehr junge Mannschaft beisammen und müssen daher auch mit Anfangsproblemen rechnen und darauf hoffen, dass sich die Mannschaft im Verlaufe der Saison stabilisiert. Dennoch ist es ganz klar unser gemeinsames Ziel, oben mit zu spielen und möglichst bis zu Ende dabei zu sein.

9. Wie hat sich die Mannschaft verändert?

a.    Welche Spieler sind abgegangen?
2 haben den direkten Sprung zu den Adlern geschafft (Arno Tiefensee, Florian Elias), 3 wechseln zu unserem Kooperationspartner nach Heilbronn (Philipp Preto, Dennis Majewski, Jan-Luca Schumacher), 3 weitere gehen in die DEL2 (Gähr, Kranz, Detig) und Ebi wechselt in die Schweiz.
Das sind 9 Abgänge, die tragende Säulen in der Mannschaft waren!  In diesem Alter spürt man eben schon noch, wer Endjahrgang und wer „Neuling“ ist. Diese Lücken müssen erst mal durch die neuen U20-Spieler gefüllt werden.

b.    Wer ist von der letztjährigen U17  hoch gekommen?
Ja, das sind schon wieder ein paar talentierte Spieler hinzugekommen, die jedoch noch einen Reifeprozess durchmachen müssen. Im Tor spielt Luca Ganz, in der Abwehr Malte Krenzlin, Lukas Bender, Julian Schams sowie Ryan Bettahar, der Bruder von Ex-Jungadler Nourredine. Im Sturm laufen auf: Luigi Calce, Max Heim und natürlich Philipp Hecht. Auch mit nach oben gekommen sind Tim Gogenländer und Moritz Elias, der jüngere Bruder von Florian. Damit sind die Abgänge numerisch zumindest aufgefangen.

c.     Wer ist von außen dazu gekommen?
Aus Ingolstadt ist der talentierte Deutsch-Russe Konstantin Melnikow zu uns gekommen und im Tor verstärkt uns der slowakische Jugend-nationalspieler Patrik Andrisik. Hinzu kommen die jüngeren Jahrgänge der letzten Saison, sodass wir wieder über eine schlagkräftige Mannschaft verfügen werden.

10. Welche Erfahrungen habt ihr aus dem Turnier in Tschechien gewonnen?

Nun, wir sind nach 5 Monaten ohne Eis und mit nur 2 Tagen Training dahin gefahren und mussten uns den schon länger im Training stehenden Spitzenteams aus Tschechien und Köln am Ende geschlagen geben. Aber das war insofern gut und lehrreich, weil bei einem solchen Niveau  halt auch die „kleinen“ Fehler aufgedeckt werden und man weiß, woran man zu arbeiten hat. Im darauffolgenden Heimspiel gegen Köln hat man dann auch gemerkt, dass uns ein paar kranke bzw. verletzte Spieler gefehlt haben und Köln mit ihrer „erfahrenen  Truppe“ eben schon sehr weit in der Vorbereitung ist.

11. Wer sind die größten Rivalen?

Wie bereits gesagt rechnen wir mit den Kölner Junghaien als größte Rivalen. Daneben muss man immer natürlich auch mit Berlin rechnen und Landshut hat ebenfalls immer eine gute DNL-Mannschaft im Rennen. Unangenehm zu spielen sind auch die robusten  bayrischen Vertreter aus Regensburg.

12. Wenn man die Mannschaft gut vorbereitet hat, einen Gameplan entwickelt hat und dann das Spiel los geht;
Welche Möglichkeiten hat der Trainer dann noch auf das Spielgeschehen einzuwirken? Welche Hilfen braucht diese Altersgruppe am meisten?

Das hängt von der Situation ab: Je länger eine Saison andauert, desto mehr greifen die Automatismen, weiß jeder Spieler, was zu tun ist. Die gerade nachwachsende junge Generation ist mit Handy und Laptop groß geworden und sie fahren voll auf die visuelle Wahrnehmung (z.B. mit Videos) ab. Ab der U15 wird dieses Stilmittel dann nicht nur in der Vorbereitung, sondern eben auch auf der Bank eingesetzt; während der NHL-Playoffs war dies auch häufig in den TV-Übertragungen zu beobachten! Im Wesentlichen geht es dabei um taktische Korrekturen im Spielverhalten gegenüber dem Gegner.  Insgesamt ist man jedoch technisch soweit in der Lage, ein Spiel vollständig bis in die kleinsten Details zu analysieren und statistisch auseinander zu nehmen. Bei den Profis passiert dies inzwischen online, durch die Video-Coaches direkt auf die Bank an der Bande.

13. Welche Regelungen gelten für die Zuschauer?

Im Moment ist die Vorgabe der Behörden so, dass wir in Mannheim keine Zuschauer haben; anderenorts gibt es Limitierungen was die Anzahl betrifft. Außerdem wären etwaige Sicherheitsvorkehrungen äußerst aufwendig. Auch zum Training sind keinerlei Zuschauer zugelassen. Wir hoffen darauf, dass andere Länder, die mit Zuschauern spielen  (z.B. die Schweiz), künftig als positive, machbare Beispiele für uns dienen können.

Beide Spiele am Wochenende gegen die Kölner Junghaie sollten jedoch als Livestream übertragen werden:
·         Samstag, den 26.9.20 um 16:45 auf Sportdeutschland.TV https://sportdeutschland.tv/eishockey/u20-dnl-division-i-jungadler-mannheim-vs-koelner-junghaie-2
·       Sonntag, den 27.9.20 um 12:00 auf  sporttotal.TV
https://sporttotal.tv/ma3ad1f502


"Gerade im Moment, wo diese Zeilen entstehen, zeigt der Corona-Virus in welch ungewissen Zeiten wir leben. Köln meldet positive Covid-Tests bei den Profis und den Junghaien. Darauf hat die Liegenleitung des DEB beide Spiele der Jungadler (in Mannheim und in Köln) vom Spielplanabgesetzt; die Nachholtermine stehen noch nicht fest!"

Vielen Dank Herr Valenti für die interessanten Einblicke in die Saison-Vorbereitungen und viel Glück für eine erfolgreiche Saison sowie einen guten Start, wann immer der sein wird!

Bernd Rothacker, Mannheim den 24.09.2020

Nachgefragt mit Ex-Jungadlertrainer Frank Fischöder...

Hallo Frank,

zunächst herzlichen Glückwunsch zu Deiner Promotion als Chefcoach bei den Nürnberg Icetigers und schönen Dank, daß Du Dich zum Abschluss Deiner überaus erfolgreichen Tätigkeiten bei den Jungadlern für ein paar Fragen zur Verfügung stellst.

1. Du kommst gerade  von der Sporthochschule in Köln, ist das Trainerdiplom schon absehbar?
Voraussichtlich im Oktober; derzeit schreibe ich noch an meiner Diplomarbeit.

2. Vor kurzem weiltest du noch bei einem U18 Lehrgang der Nationalmannschaft mit abschließenden, erfolgreichen Länderspielen in der Schweiz:  War dies Deine letzte Tätigkeit bei der Jugend bzw. für den DEB?
Die Zeit beim DEB war für mich eine sehr schöne und mit dem Wiederaufstieg auch erfolgreiche Zeit. Bei der jetzigen Situation mit meinem neuen Job muss man halt abwarten, in welcher Form da noch eine Mitarbeit weiterhin möglich ist; die Lust wäre schon noch da.

3. Du wechselst ja als Headcoach in die DEL nach Nürnberg; daher müssen wir unbedingt mit Dir zusammen auf Deine äußerst erfolgreiche Zeit von fast 19 Jahren bei den Jungadlern zurück blicken:
Als mich damals Helmut de Raaf gefragt hat, ob ich Lust hätte, als sein Ko-Trainer nach Mannheim zu kommen, war dies für mich natürlich eine tolle neue Herausforderung zum Neuaufbau. Am Anfang gab es ja nur die U19, mit der wir aber dennoch 2001 gleich die erste Meisterschaft geholt haben. Danach haben wir gemeinsam das Grundschulprojekt aufgebaut, um das Spielerreservoir zu vergrößern, dann kam die Schüler-Mannschaft hinzu usw. bis wir heute durchgehend alle Leistungsstufen von der Laufschule bis zur DNL aus einer Organisation heraus betreuen. Insofern war das eine total spannende Aufgabe und dabei kam mir als relativ jungem Trainer auch die fortwährende Zusammenarbeit mit anderen internationalen Co-Trainern zu Gute. Alles in Allem eine Zeit, die man als junger, neugieriger Trainer nicht missen wollte. Dazu kam  die Unterstützung durch die Dietmar-Hopp-Stiftung, welche die Bewältigung dieser strukturellen Anforderungen erst ermöglicht hat.  

4. Kannst Du vielleicht noch einmal kurz die grundlegende Philosophie des Eishockey-Leistungszentrums (Zusammenarbeit mit Schule, Eltern, Internat) erläutern, die Euch durch diese äußerst erfolgreiche Zeit begleitet hat.
Wir hatten stets einen ganzheitlichen Ansatz; nicht nur die sportliche Entwicklung der Jugendlichen im Auge zu haben, sondern eben auch eine eigene Persönlichkeit entstehen zu lassen, die allen Herausforderungen des Lebens gerecht werden kann. Dies impliziert einerseits eine gute Schul- bzw. Berufs-ausbildung, andererseits darf man dabei auch nicht zu früh selektiv vorgehen, obwohl der Leistungsgedanke selbstverständlich immer vorhanden sein muss.

5. Wie war für Dich der Übergang von den Schülern auf die de Raaf-Nachfolge bei der U19 bzw. nun U20?
Für De Raaf war damals die Situation ähnlich wie für mich heute: Du hast schon über Jahre erfolgreich in deinem Metier gearbeitet und plötzlich tut sich die Chance auf, etwas Neues anpacken zu können. Dann musst du dich entscheiden, ob du diese neue Herausforderung annehmen willst – Helmut ist dann konsequenterweise als Co-Trainer zu „Red Bull“ gegangen.
Nachdem ich schon 5-6 Jahre lang die Schüler verantwortlich betreut hatte war dann der Schritt zu der DNL nicht mehr so riesengroß, da wächst man dann ein Stück weit auch mit hinein.

6. Wie ließ sich die Hauptaufgabe der Spielerentwicklung verwirklichen, während ihr auch immer als Mannschaft gut & erfolgreich Eishockey gespielt habt?
Dies waren aus meiner Sicht auch die Früchte einer natürlichen Entwicklung. Wir hatten immer sehr talentierte Spieler in unseren Reihen – teilweise auch „over the top“-Jungs; und wenn man dann kontinuierlich hart mit denen arbeitet, kommen automatisch auch die Ergebnisse.

7. Sind Euch die guten Spieler in Mannheim eigentlich dann meistens „zugelaufen“?
Nun, es mag sein, dass wir früher so etwas wie ein Monopol auf gute Nachwuchsbildung in Mannheim hatten, aber die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Mit der „Red Bull-Akademie“ in Salzburg ist da ein ernst zu nehmender Konkurrent erwachsen.

8. Wie zufrieden warst du mit den Gegebenheiten in Mannheim? Was hätte strukturell noch besser sein können?
Nein die Bedingungen in Mannheim waren schon optimal; aber was uns schon immer ausgemacht hat, ist die Tatsache, mit diesen günstigen  Bedingungen auch zu arbeiten. Dies ist eher eine Frage der Mentalität aller Trainer bei den Jungadlern, die mit ihren Mannschaften jeweils einen Weg gefunden haben, erfolgreich zu arbeiten. Man darf nie zufrieden sein.

9. Traust Du also auch deinem Nachfolger zu, die Arbeit mit der U20 erfolgreich fort zu setzen?
Da wir alle in der Organisation mit einer durchgehenden Spielidee und Philosophie zusammen gearbeitet haben, sehe ich da keinerlei Probleme. Hinzu kommt, dass die flachen Hierarchien auch die unterschiedlichen Erfahrungslevel der Trainer durchlässig machen, sodass letzten Endes alle davon profitieren können.

10. Wenn man bei Euch durch den Kabinengang läuft, begegnen einem an der Wand verewigt die unzähligen ehemaligen Jungadler, die sich inzwischen in der Eishockeywelt als Profi einen Namen gemacht haben.
Welches waren aus Deiner Sicht die größten Talente, die durch Deine Hände gegangen sind?
Schwierig zu sagen, weil ich glaube, dass wir keinen Spieler hatten, der nicht talentiert war. Im Gegenteil – ich glaube, das jeder das Optimum aus seinem Talent herausgebildet hat. Alle Jungs waren charakterstark und haben ihren Weg gemacht; sei es als Profi oder im Beruf und im Leben. Klar ist es schön, erfolgreiche Eishockeyspieler (von Dennis Seidenberg über Leon Draisaitl bis Tim Stützle) dabei gehabt zu haben. Aber dies ist doch nicht alles; es geht auch darum, keine eindimensionale Denker, sondern Menschen mit „offener“ Lebenshaltung zu entwickeln, die später alleine in der Lage sind, richtige Entscheidungen zu treffen.  Entscheidend ist dabei, dass jeder das Beste aus dieser Organisation mitgenommen hat und aufgrund seines Wissens aus dem Sport am Ende im Leben Karriere gemacht hat. Denn das ist es, was wir am Ende für alle wollten und  was uns dann auch letztlich zufrieden stellt.

11 .Wie wichtig war aus Deiner Sicht die Zusammenarbeit mit dem übrigen off-ICE Staff (Assistenten, Betreuer, Physios, Doc etc.)?
Da sind Strukturen im Laufe der Zeit entstanden, die sich als ganz belastbar erweisen. Wichtig ist, dass jeder seine Aufgabereiche kennt und auch wahrnimmt.

12. Welche der zahlreichen Meisterschaften war für Dich die schönste?
Wenn man alle Umstände zusammen nimmt, war vielleicht die Meisterschaft nach dem Weggang von Helmut de Raaf die emotionalste. Wie großartig damals Marc Michaelis und Dorian Säftel die relativ kleine und junge Truppe (fast der gesamte 95er Jahrgang war ja auf einmal weggebrochen) geführt haben, war schon einzigartig und sehr berührend.

13. Was ist das Erfolgsrezept?
Die Qualität in der Entwicklung zu haben und konsequente Arbeit! Voraussetzung ist jedoch: Der Trainer muss seinen Jungs vertrauen und umgekehrt die Mannschaft in die Arbeit des Trainers – also gegenseitiger Respekt und Vertrauen. Dazu gehört ebenso eine klare innere Struktur, ein Umfeld, welches nach außen geschlossen auftritt und auch dieselbe Philosophie vertritt. Ständige Kommunikation und Zielorientierung gehören ebenfalls dazu.

14. Was nimmst du persönlich für Dich mit aus dieser doch langen, erfolgreichen Zeit?
Alles (lacht dabei)! Angefangen von den Erfahrungen als Co-Trainer mit rund-um-die-Uhr Betreuung des Internats, den Aufbau des Grundschul-Konzepts, die Möglichkeit, sich in verschieden Bereiche einarbeiten zu können, Vorträge zu halten über Motivation & Team Building, die Organisation auch zu führen, seine Ideen ziemlich frei durchsetzen zu können. Also die gesamte Entwicklung als Trainer, dazu die Offenheit und Neugier, was Neues auszuprobieren und ggf. auch wieder zurück zu drehen, wenn es nicht funktioniert hat. Dazu die vielen internationalen Spiele und Turniere, die Erfahrungen beim DEB.

15. Ein kleiner Blick in die Zukunft: Nimmst Du nun auch Spieler mit nach Nürnberg?
Ich treffe aber dort auf die ehemaligen Jungadler Tim Bender & Jo Ramoser.

16. Was weißt du persönlich über Tim Stützle und seinen weiteren Weg in die NHL?
Ich gehe davon aus, dass die Drafts im vorgesehenen Zeitpunkt stattfinden und dass dann die gezogenen Spieler auch Verträge unterschreiben können. Über die juristische Auslegung dieses Globalvertrags mach ich mir keine Gedanken.

17. Wie schätzt du die neu aus den Jungadlern aufgerückten Profis (Preto, Valenti, Klos + Brune, sowie Arno Tiefensee, Florian Elias,)  in diesem Jahr ein?
Das Potential dazu, DEL zu spielen, haben die alle! Die Frage ist eher: hat Mannheim Geduld mit den Jungs, sind sie die richtigen Spieler für Mannheim, haben die Jungs genügend Ehrgeiz, sich in ihrem ersten Profivertrag auch durch zu setzen? Es liegt jetzt an den Jungs, sich in so einer Organisation wie Mannheim durch zu beißen. Außerdem müssen auch die Fans genügend Geduld mit den Spielern aufbringen. Es gibt also genügend unbekannte Faktoren in dieser Konstellation.

18. Lass uns noch einen Blick in die Zukunft riskieren, die ja auch für Dich DEL heißt:

  • Was bedeutet die Ungewissheit über den sehr späten Starttermin für eine vernünftige Saisonvorbereitung?
    Wie geht man damit um? Wir sind alle in einer Situation, die wir nicht kennen und die wir auch nicht beeinflussen können. Wenn also die Liga sagt: wir starten am 13.11. dann ist für mich der Start am 13.11.
    Wenn am 15.September die Regierung sagt, da ist keine Start, dann eben nicht. Also müssen wir alle auf die jeweilige Situation reagieren; alles andere ist ein Blick in die „Glaskugel“.
    Interessant ist für mich, dass die Schweiz schon im Oktober mit Zuschauern spiel will.

  • Kannst Du Dir eine Spielzeit quasi „ohne Zuschauer“ vorstellen?
    Im Jungadlerbereich werden wir eher Spiele sehen als im Profibereich, da hier die Abhängigkeit von Zuschauern nicht so gegeben ist.  

  • Eure neue Philosophie in Nürnberg findet Deutschlandweit große Beachtung. Wie könnt Ihr diese im kurzlebig erfolgs-orientierten Profi-Eishockey umsetzen?
    Das wird die Zukunft zeigen! Logischerweise wird niemand glücklich sein, wenn wir 20 Spiele hintereinander verlieren sollten. Klar ist jedoch auch, dass der ganze Club in einem Umbruch steht (von den Sponsoren über den Trainer bis zur Mannschaft und zum Umfeld); sollen wir deshalb selbst unsere Ansprüche herunter schrauben? Das ist doch auch eine große Chance für mich und den ganzen Club. Jeder möchte möglichst viele Spiele in der Saison gewinnen, kein Sportler will gerne verlieren. Also machen wir uns an die Arbeit! Wir haben im Kader eine gute Mischung zwischen erfahrenen und jungen Spielern; da wird es interessant sein, wie sich die Mannschaft findet. Dies weiß auch die sportliche Leitung und das Management.  Da alle mit Überzeugung dahinter stehen, gehen wir jetzt diesen Weg des Umbruchs gemeinsam.

  • Was bedeutet das Motto: gib den Deutschen Spielern eine Chance!
    Da liegt die Verantwortung zu einem großen Teil auch bei den Spielern selbst! Natürlich wollen wir deutsche Spieler fördern und einbauen. Aber da muss bei denen auch der Ehrgeiz und Biss vorhanden sein, die Spieler zu ersetzen, die vorher da waren; denn diese „Ausländer“ sind bereits durch eine gnadenlose Selektion in Ihren Ligen gegangen und sind deshalb da, wo sie jetzt sind. Also müssen die jungen Spieler mit ihrem ersten Profivertrag dann – erstmals auf sich allein gestellt - diese „älteren“ Profis erst mal verdrängen, dies ist beileibe kein Automatismus! Die jungen Spieler müssen verstehen, dass sie nichts geschenkt bekommen!

19. Ziehst Du jetzt mit deiner Familie ins schöne Frankenland?

Nein, ich fahre alleine nach Nürnberg. Die Familie bleibt vorerst hier in unserem Haus in der Region wohnen.

 

Vielen Dank für die interessanten Einblicke in Dein vergangenes  und zukünftiges Wirken, viel Erfolg mit Deiner neuen Aufgabe!  

Bernd Rothacker, Mannheim den 15.08.2020

Nachgefragt mit Pressesprecher Adrian Parejo ...

Hallo Adrian,

wir sind sehr glücklich, Dich selbst einmal im Interview zu haben, um die Öffentlichkeitsarbeit der Adler besser kennen zu lernen.

1. Was alles gehört eigentlich zu Deinem Aufgabengebiet?

Mein Aufgabenbereich ist sehr abwechslungsreich und lässt sich in vier Bereiche gliedern:

A:    klassische PR-Arbeit: Ich bin Ansprechpartner für alle Journalisten, verwalte Presseanfragen und koordiniere die Interviews. In mein Aufgabengebiet fallen auch die Planung, Organisation und die Umsetzung von Pressekonferenzen sowie das Aufsetzen und Versenden von Pressemitteilungen. Zudem fungiere ich auch als Gatekeeper. Das bedeutet, dass ich alle Interviews, die im Wortlaut veröffentlicht werden, gegenlese und auf Korrektheit überprüfe. Darüber hinaus versuchen wir generell, unser Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit stetig zu verbessern.

B:    Redaktioneller Bereich: Mit dem SAP-Arena-Magazin, dem „Unsere Farben“-Magazin als Beilage im Mannheimer Morgen (3 x pro Saison) und dem Spieltagsflyer gibt es aktuell drei verschiedene Print-Formate, die in regelmäßigen Abständen erscheinen. Bei allen drei Publikationen bin ich für die Planung und Umsetzung von Inhalten rund um die Adler verantwortlich. Mein Ziel ist es, bestehende Formate kontinuierlich zu optimieren sowie neue zu kreieren und integrieren.

C:     Allgemeine Kommunikation (extern und intern):
Unsere Website ist das Herzstück und bildet die Basis für die Kommunikation nach außen. In diesem Bereich bin ich – analog zum redaktionellen Bereich – für die Planung und Umsetzung der Adler-Inhalte zuständig. Darüber hinaus stehe ich in engem Kontakt zur Agentur, die für die Gestaltung, Umsetzung und Programmierung zuständig ist. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Website stetig auf dem neusten Stand zu halten. Neben diesen Aufgaben verwalte ich als Administrator auch unsere teaminterne Kommunikations-App, die es uns ermöglicht, schnell und direkt mit einzelnen Personen oder eigens definierten Gruppen zu kommunizieren.

D:    Social Media: Hier nehme ich eine eher unterstützende Funktion ein.

Diese vier grob skizzierten Bereiche sind sehr zeitintensiv, Langeweile kommt also eher selten auf (lacht). Ich bin sehr froh, einen kompetenten Assistenten an meiner Seite zu wissen, auf den ich mich jederzeit verlassen kann.

 

2. Gibt es in diesen großen Aufgabenfeldern Vorgaben der DEL?

Die Vorgaben der Liga im Detail zu erläutern, würde jetzt vermutlich den Rahmen sprengen. Grundsätzlich sollte jeder DEL-Club einen Medienbeauftragten stellen, der als Ansprechpartner für Journalisten, TV-Produktion und die Ligagesellschaft fungiert und dafür sorgt, dass bei Heimspielen optimale Arbeitsbedingungen für Medienschaffende herrschen und Pressekonferenzen zeitnah nach Spielende abgehalten werden (15-20 Minuten). Die Liga verlangt auch, dass der Medienbeauftragte nach Möglichkeit bei jedem Auswärtsspiel vor Ort ist. Was die externe Kommunikation eines Clubs betrifft, ist darauf zu achten, dass dem Sport keinen Schaden zugefügt wird, schließlich stehen alle Beteiligten als Botschafter in der Verantwortung. Daher ist ein respektvoller Umgang in allen Belangen von entscheidender Bedeutung.

 

3. Hat dich Pavels Verhalten bei der PK nach dem München-Spiel überrascht?

Ja, die Kürze von Pavels Statement zum Spiel hat mich dann doch etwas unvorbereitet getroffen und überrascht. Ich kenne Pavel als sehr beherrschten Menschen und absoluten Medienprofi. Aber ich schätze auch an ihm, dass er sein Herz auf der Zunge trägt.

 

4. Wie ist aus Deiner Sicht das Verhältnis zur lokalen Presse (Mannheimer Morgen, Rheinpfalz, Rhein-Neckar-Zeitung)?

Nachdem es in früheren Zeiten doch einige Reibungspunkte gab, haben wir seit meinem Amtsantritt 2014 doch vieles verändert, damit sich die Presse bei uns wieder wohlfühlt. Da ich meistens nur positives Feedback erhalte, würde ich das Verhältnis zwischen Club und lokalen Medien als sehr gut bezeichnen.

Als Pressesprecher der Adler ist es mein Anspruch, rund um die Uhr erreichbar zu sein und stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Journalisten zu haben. Vor jeder Saison laden wir alle Pressevertreter, die regelmäßig über uns berichten, zu einem sogenannten „Kamingespräch“ ein, bei denen auch Matthias Binder, der Manager, der Teamleiter und die Trainer zugegen sind. In dieser kleinen Runde lassen wir die zurückliegende Spielzeit noch einmal Revue passieren, wollen von den Kollegen wissen, was gut und was eher nicht so gut lief. Dieses konstruktive Feedback ist uns sehr wichtig, schließlich wollen wir das positive Arbeitsklima aufrechterhalten und die Zusammenarbeit stetig verbessern. Eine Einladung erhalten unsere lokalen Medienvertreter auch zum Brunch im Rahmen des Eagles Cups.

 

5. Wie sieht es denn mit der überregionalen Presse aus?

In diesem Punkt lässt sich das Verhältnis nur schwer definieren. Neben Interviewanfragen akkreditieren sich überregionale Medienvertreter für die Heimspiele, machen am Spieltag selbst ihre Arbeit und fahren im Anschluss wieder nach Hause. Während ihrem Aufenthalt sorge ich natürlich dafür, dass sie optimale Arbeitsbedingungen vorfinden.

 

6. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den DEL-Kollegen?

Ausnahmslos super. Wir verstehen uns alle hervorragend, pflegen einen respektvollen Umgang und stimmen uns eng ab, wenn bestimmte Themen (wie z.B. ein vereinbarter Spielerwechsel) zur Veröffentlichung anstehen.

 

7. Euer Verhältnis zum DEB?

Auch da läuft es reibungslos. Vor Bekanntgabe des Kaders für eine Weltmeisterschaft oder eine Nationalmannschaftsmaßnahme werden wir rechtzeitig informiert, so dass wir alles entsprechend vorbereiten und gemeinsam an die Öffentlichkeit gehen können.

 

8. Wie bereitest Du Dich auf die Pressekonferenzen vor?

Hier muss man zwischen den Spieltagspressekonferenzen und einer geplanten Pressekonferenz vor Saisonbeginn oder bei der Bekanntgabe eines neuen Trainers unterscheiden. Die Spieltagspressekonferenzen laufen in der Regel immer nach demselben Schema ab.

Anders verhält es sich bei größeren Pressekonferenzen, wenn auch das Medienaufkommen bedeutend höher ist. Wir skizzieren einen groben Fahrplan, legen die Themen fest, über die wir im Rahmen der Medienrunde sprechen wollen. Klar, wir können nicht alles genau durchplanen und -sprechen. Aber mit den Jahren entwickelt man ein gewisses Gespür, und weiß, welche Themen die Pressevertreter noch interessieren könnten. In der Regel gehen wir gut vorbereitet und gerüstet in solche Pressekonferenzen.

 

9. Sind die Spieler in Ihren Antworten völlig frei?

Im Prinzip ja, aber Spieler und Coaches bekommen von uns einen Leitfaden an die Hand, an dem sie sich orientieren müssen:

a.     Was in der Kabine passiert, bleibt auch in der Kabine; Interna werden nicht nach außen getragen.

b.    sie sollen einen respektvollen Umgang mit den Journalisten pflegen, deren Fragen beantworten.

c.     es werden keine Mannschaftskameraden in der Öffentlichkeit persönlich kritisiert.

d.    Wir dulden auch keine Kritik am Gegner; wir stehen ihm respektvoll gegenüber.

e.     gerade den jüngeren und noch unerfahrenen Spielern geben wir natürlich noch Nachhilfe im Umgang mit der Presse (kurze Sätze mit klaren Aussagen, konzentrieren und Nervosität ablegen, Erfahrungen sammeln etc.)

in besonderen Fällen (wie z.B. bei Larkin) lechzt die Presse nach reißerischen Schlagzeilen. In solchen Fällen passen wir akribisch auf.

 

10. Wie verfährt man denn in solchen außergewöhnlichen Situationen?

In solchen Fällen gibt es kein Patentrezept, jeder Fall muss individuell beurteilt werden. Hierfür stecken wir gemeinsam die Köpfe zusammen, analysieren die Situation und legen einen Fahrplan für das weitere Vorgehen fest.

 

11. Warum ist die Aktualisierungsrate in der Adler-App manchmal so schleppend?

Da spielt natürlich die Technik eine große Rolle. Wir stehen in ständigem Kontakt mit der Agentur, um die App stetig weiterzuentwickeln und Fehler zu beheben. Sollten trotzdem Probleme auftreten, sind wir natürlich auf Eure Mithilfe angewiesen. In solchen Situationen bitten wir euch, uns eine E-Mail an info@adler.mannheim.de zu senden und uns das Problem zu schildern. Nur so können wir unsere App optimieren.

 

12. Wie flüssig ist denn die interne Kommunikation mit Euren Kooperationspartnern Heilbronn & Jungadler?

Für diese Frage bin ich der falsche Ansprechpartner, da die Kommunikation über die Sportliche Leitung und die Verantwortlichen der Adler, der Jungadler und der Heilbronner Falken läuft. Fakt ist aber, dass sich die Zusammenarbeit und die Kommunikation gegenüber der Vergangenheit stark verbessert hat.

 

13. Wie läuft die Öffentlichkeitsarbeit mit Sponsoren ab?

Diese Kommunikation und die Öffentlichkeitsarbeit läuft im Normalfall über unseren Vertrieb. Wenn es aber beispielsweise um den Versand des Newsletters geht, stehen wir beratend und unterstützend zur Seite.

 

14. Wann finden die Pressekonferenzen vor den Spielen statt?

Unsere klassischen Pressetalks mit Ausblick auf das anstehende Wochenende finden in der Regel mittwochs nach dem Training statt. Hier sind aber meist nur die lokalen Medien zugegen.

 

15. Wer veranlasst eigentlich Eure eigenen Pressemitteilungen?

Das ist unterschiedlich. Geht es um Neuverpflichtungen, Vertragsverlängerungen oder Leihgeschäfte, bekommen wir die benötigten Informationen von der Sportlichen Leitung. Wenn besondere Aktionen oder Mottospieltage kommuniziert werden müssen, stimmen wir uns mit der Marketingabteilung ab. Alles andere passiert eigenständig.

 

16. Viele Fans in der Halle beklagen, dass die PK-Übertragung auf dem Würfel nach dem Spiel massiv durch die Zamboni-Geräusche gestört wird.

Uns ist dieses Problem bekannt, wir haben es auch bereits an die entsprechenden Kollegen weitergeleitet.

 

Lieber Adrian, herzlichen Dank für den spannenden Einblick in Deine für die Adler so wichtigen Aufgaben

Bernd Rothacker, Mannheim den 25.02.2020

Nachgefragt mit Eismeister Alfred ...

Hallo Alfred,

zunächst Danke, dass Du Dich für ein paar Hintergrund-Fragen zur Verfügung stellst.

 

1. Wieviel Eismeister seid ihr für die 3 Hallen ? Wie ist Eure Arbeitszeit geregelt?

Zusammen sind wir 4 Eismeister
und fahren die 7 Tage jeder Woche
mit 5 Arbeitstagen pro Person
jeweils im 2-Schicht Betrieb, d.h. von 8:00 bis 23:00, um 23:30 werden die Hallen dann geschlossen

 

2. Und wie sieht ein gewöhnlicher Tagesablauf für Euch aus?

Das beginnt in der Frühschicht mit der obligatorischen Eispflege, dem Messen der Eis-Dicke (3-4 cm), sowie der normalen Maschinenkontrolle (insbesondere der Zambonis). Tagsüber erfolgt natürlich die Eisaufbereitung gem. Spiel- oder Trainingsplan; dies findet zu 90% in den beiden stark frequentierten Nebenhallen statt. Einmal in der Woche müssen auch die Messer an den Eisaufbereitungsmaschinen gewechselt werden.

 

3. Wie lange dauert eigentlich die originäre Eisaufbereitung zu Beginn der Saison?  Und was kostet das?

Um mit den einzelnen Wasserschichten die vorgegebene Dicke von 3 – 4 cm zu erreichen, muß man schon insgesamt 10 Tage rechnen. Dabei wird die Spielflächenabgrenzung (Linien & Bullykreise), die Logos & Werbung mittels Kunststoffnetzen in die Eisfläche integriert.

Wieviel dies kostet kann ich nicht genau sagen, da gerade im Hochsommer das Wasser für die Kältemaschinen vorgekühlt werden muss, was natürlich zu erheblichen Kosten führt.
Dennoch ist wieder geplant, die Nebenhalle-Süd ab 1.Juli wieder mit einer Eisfläche aus zu statten.

 

4. Haben wir eigentlich an allen 3 Eisflächen der Arena die modernen Flexi-Banden?

Nein, die gibt es nur in der großen Arena.

 

5. Was passiert eigentlich, wenn die DEL einmal zu den NHL-Spielfeldmassen übergehen sollte?

Das kann ich nicht beantworten, da es derzeit kein Thema für uns darstellt.

 

6. Muss für CHL-Spiele die Eisfläche umgestaltet werden?

Für die Gruppenspiele bleibt die Eisfläche wie gehabt erhalten; lediglich die Bandenwerbung wird ggf. ausgetauscht.
Ab dem Viertelfinale muss allerdings eine neue Eisfläche mit CHL-Logos gestaltet werden.

 

7. Wie lange dauert der Umbau der Halle für ein Konzert oder andere Sportarten?

Bei einem eingespielten Umbauteam ca. 10 – 12 Stunden.
Allerdings gibt es die Vorgabe, dass nach einem Konzert die Eisfläche am nächsten Morgen ab 9:00 Uhr wieder zur Verfügung stehen muss.

 

8. Wie wird die Eisfläche nach einem Konzert von Konfetti u.ä. Verunreinigungen befreit?

Der Abdeckboden ist ähnlich dicht wie ein Klick-Laminat, d.h. es gehen so gut wie keine Fremdkörper hindurch. Außerdem wird anschließend nochmals ordentlich abgehobelt. Ein kleineres Problem gibt es nur, wenn in den Konzert-Stehplatzbereichen die Getränke umgekippt werden, die gehen natürlich durch.

 

9. Welche Ausbildung muss man eigentlich als Eismeister haben?

Es gibt keine gesetzliche Festlegung; allerdings sind Vorkenntnisse in technischen Berufen oder handwerkliche Fertigkeiten von Vorteil. Da ein Großteil unserer Arbeit im Sommer in der Maschinenwartung für unsere 3 Zambonis besteht, wäre natürlich auch eine Ausbildung zum KfZ-Mechaniker sehr nützlich.

 

10. Gibt es eigentlich „umweltfreundliche“ Zambonis ?

Unsere 3 Zambonis werden mit Gas angetrieben, das ist sehr abgasarm und bewährt. Es gibt auch elektrisch angetrieben Zambonis, die allerdings noch sehr anfällig und nicht ausgereift sind, da sich die Bordelektronik mit dem vielen mitgeführten Wasser nicht immer gut verträgt.

 

11. Warum ist es in der Arena bei Spielen immer so warm? Kann man nicht um 1-2 Grad die Temperatur absenken?

Unser Kollege von der Lüftungstechnik versucht sein Bestes, aber dies ist nicht so einfach. Die Halle in der Arena verfügt über ein gemeinsames Lüftungssystem, welches eigentlich mit 18° C arbeitet und mit einem Belüftungs-Bypass (Draller bzw. Weitraumdüsen) direkt die Eisfläche versorgt. Allerdings stellt die Abwärme der Zuschauer ein nicht unerhebliches Problem dar. Da die Luftfeuchte über eine regelbare Außenluftklappe gesteuert wird, kommen auf diesem Wege andere Einflußfaktoren, wie z.B. die Außentemperatur hinzu. Letzten Endes ist natürlich auch das individuelle, persönliche Kälte-Empfinden bei den „verwöhnten“ Sitzplatzbesuchern maßgebend.

 

12. Habt Ihr aus der Sicht der Eismeister noch einen Wunsch an die Fans?

Nein, nicht dass ich wüsste.

 

Lieber Alfred, vielen Dank für den kleinen Einblick in Eure so wichtige Basisarbeit – denn ohne Eis kein Eishockey.

Bernd Rothacker, Mannheim den 25.02.2020

Nachgefragt mit Stadionsprecher Jens Schneider...

Bild: PIX-Sportfotos/M. Ruffler

Hallo Jens,
zunächst herzlichen Dank, daß Du Dich für ein paar Fragen zur Verfügung stellst und herzlichen Glückwunsch zu Deinem neuen Vertrag als Adler-Hallensprecher.

 

1. Was machst Du eigentlich beruflich?

Ich habe gleich mehrere Jobs gleichzeitig: Im Hauptjob arbeite ich vollzeitlich als Redakteur und Moderator bei „Radio Regenbogen“, meistens moderiere ich dort die Vormittagssendung. Daneben folge ich seit 2013 einem Kindheitstraum und helfe bei der RNV zeitweise als Straßenbahnfahrer aus. Seit 2016 bin ich außerdem als Hallensprecher bei den Adlern im Einsatz, was ich ebenfalls professionell ausfüllen möchte. Und wie bekommt man all diese Tätigkeiten unter einen Hut? (lacht) Das werde ich oft gefragt – und frage ich mich auch selbst immer wieder. Im Prinzip hilft ein guter Kalender, aber manchmal muss ich auch die ein- oder andere Verabredung absagen. Meistens gelingt mir meine Terminplanung ganz gut, manchmal brauchen meine Familie und Freunde aber auch vieeeel Verständnis, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Das Geheimnis liegt darin, dass ich eigentlich nur mache, was mir auch wirklich Spaß bereitet. Dadurch sind das alles keine Termine, die Stress auslösen, sondern ich freue mich auf jeden einzelnen.

 

2. Wie bist du eigentlich zum Eishockey gekommen?

Ich habe früher nie Eishockey gespielt, war aber bereits als Kind von diesem Sport fasziniert und bin dann immer öfter selbst zum Eishockey gegangen und habe mitgefiebert. So bin ich dabei geblieben und bin bis heute ein großer Fan. Zu dem Job als Hallensprecher bei den Adlern kam ich zum einen über die Verbindung zu Udo, mit dem ich zwischen 2012 und 2018 zusammen in Leutershausen beim Handball gesprochen und von ihm gelernt habe. Vor allem aber auch durch meinen Freund und Kollegen Antti Soramies, der mich durch regelmäßiges Mitnehmen zu seiner Arbeit bei den Spielen, seinen menschlich und fachlich immer wertvollen Ratschlägen und der Möglichkeit bei den Jugendturnieren in der Nebenhalle zu sprechen für diesen Job fit gemacht hat. Wir sind ein gutes Team und die Zusammenarbeit macht großen Spaß.

 

3. Du hast auch schon Spiele der Jungadler in der Nebenhalle betreut, setzt Du dieses Engagement fort?

Als Hallensprecher bei den Jungadlern war ich nur bei Turnieren aktiv. Mein erstes Spiel fürs Eishockey habe ich 2014 beim U16 Turnier in Mannheim gesprochen. Seit dem helfe ich auch regelmäßig beim DEL Junior-Cup, der eine internationale Besetzung hat und jetzt bald wieder ansteht. Ich finde es wichtig, auch den Nachwuchs zu unterstützen.

 

4. Welche Vorgaben gibt es für Hallensprecher von der DEL oder von den Adlern?

Ich beschäftige mich da vor allem mit den Announcer-Regeln vom internationalen Verband IIHF (ca. 30 Seiten umfassend). Neben den gängigen Formulierungen für Strafzeiten etc. sagt deren Grundmaxime: Als offizieller Vertreter der Heimmannschaft hat man das generelle Gebot der Fairness zu beachten, also den Gegner nicht zu benachteiligen oder gar zu beleidigen. Natürlich wird jedem Stadionsprecher da stillschweigend eine Nähe zur eigenen Mannschaft zugestanden, aber die darf eben nicht dazu führen, dass man den Gegner verunglimpft. Von den Adlern gibt es in dieser Beziehung überhaupt keine Vorgaben, das liegt in meinem eigenen Ermessen. Allerdings gibt es ca. 2 Stunden vor jedem Spiel eine Regie-Besprechung mit allen Beteiligten, wo dann das Vorgehen für alle Spielsituationen im Einzelnen besprochen und festgelegt wird. Ansagen während des Spiels werden fast ausschließlich von den Schiris veranlaßt. Außerhalb des Spielgeschehens (z.B. in den Pausen) bleibt dann Zeit für individuelle Durchsagen. Diese werden vorher in der Regie-Besprechung erörtert. Gibt es ggf. sogar Strafen? Nun ist ja das Eishockey gottseidank ein Sport, wo es unter den Beteiligten normalerweise menschlich und fair zugeht; aber u.U. kann der Schiedsrichter für unbotmäßiges Verhalten des Bankpersonals (oder auch von anderen Offiziellen) z.B. eine kleine Bankstrafe für die Heimmannschaft aussprechen, oder den Verein im Nachgang mit Sanktionen belegen. Möglich ist das grundsätzlich schon.


5. Wann hattest Du Deinen ersten Kommentar in der großen Halle zu sprechen?

Daran erinnere ich mich ganz genau: das war am 18. August 2016 in dem CHL-Spiel gegen Lugano.

 

6. Wie ist der Ablauf am Mikrofon mit Udo abgesprochen?

Zunächst einmal habe ich riesengroßen Respekt vor Udos profunder und langjähriger Erfahrung als Hallensprecher und bin sehr dankbar, an seiner Seite bei den Adlern tätig zu sein, was ich mir nie hätte träumen lassen. Er verkörpert mit seinem Elan und seiner Stimme einen großen Teil des Heimatgefühls in der Arena und bei den Adlern generell. Daher gibt es eine grundsätzliche Absprache: Udo übernimmt die Begrüßung und die generellen Ansagen bis zum Spielbeginn und in den Pausen. Sobald die Uhr läuft, setzt dann mein Part ein. Viel wird dabei auch von den Schiedsrichtern vorgegeben: Die sagen uns zum Beispiel, welche Torschützen und Strafen angesagt werden. Deshalb kann es manchmal ein paar Sekunden dauern, bis nach einer Aktion eine Ansage erfolgt, da wir auf die Informationen der Schiedsrichter warten müssen. Sobald das Drittel beendet ist, gebe ich das Mikrofon wieder an Udo zurück. In manchen Fällen erlaube ich mir kleine Ausnahmen: Als zum Beispiel das entscheidende Tor zur letzten Meisterschaft gefallen war, gab ich zur Toransage das Mikro an Udo weiter, weil ich weiß wie viel ihm solche Situationen bedeuten. Ich bin zuversichtlich in Zukunft selbst noch viele meisterschafts-entscheidende Tore ansagen zu können, ich bin ja noch ein paar Jahre jünger.

 

7. Tauschen sich die Hallensprecher untereinander aus oder gibt es gar so etwas wie Freund- oder Feindschaften?

Obwohl ich im Grunde ein sehr „vernetzter“ Mensch bin, gab es in den vergangenen 3 Jahren in denen ich diesen Job mache leider wenig Gelegenheiten, andere Hallensprecher kennenzulernen. Ich fahre ab- und zu auf Auswärtsspiele mit. Da höre ich dann was die Kollegen so anstellen, kann meinen Horizont erweitern und besser einschätzen, wie das bei uns zuhause läuft. Persönlich kennengelernt habe ich bis jetzt die Hallensprecher Steffen Schnizer aus Heilbronn und beim „Winter Game“ den Schwenninger Kollegen Domenic Liebing, die beide sehr nette Kollegen sind. Bisher waren Begegnungen mit dem Hintergrund-Team anderer Mannschaften immer sportlich und spannend und ich finde einen ehrlichen Austausch immer förderlich.

 

8. Wie werden diese Saison die CHL-Spiele gestaltet, gibt es Ansagen in Fremdsprachen?

Das kenne ich ja schon aus meinem ersten Jahr 2016. Die CHL verlangt im Prinzip, dass durch den Besuch ausländischer Mannschaften alles auch in Englisch angesagt werden muss, damit jeder verstehen kann was passiert. Ansonsten bleibt es bei der grundsätzlichen Abmachung mit Udo; er ist ja auch des Englischen mächtig. Mein Part ist der Spielverlauf, während Udo „alles außenrum“ macht. Alle Details werden wie immer kurz vor Spielbeginn in der Regie-Besprechung festgelegt.

 

9. Was kannst Du machen, dass bei gegnerischen Toren die Stimmung in der Halle nicht kippt ?

Das ist eine spannende Geschichte: was ist eigentlich die Aufgabe eines Stadionsprechers – da scheiden sich ganz oft die Geister. Ehrlich gesagt: als Sprecher hast Du da wenig Möglichkeiten, denn du bist ja kein „Animateur“. Die Stimmung in der Halle wird hauptsächlich durch das Spielgeschehen und durch die Einstellung der Besucher bestimmt. Wenn die Stimmung kippt, kannst Du moderierend und ruhig einwirken. In besonderen Situationen kann man durch den Einsatz der Stimme einen gewissen Motivationsschub auslösen; aber – wie gesagt – die Mittel sind sehr begrenzt und das Spielgeschehen ist hauptverantwortlich für das Geschehen auf dem Eis und die Stimmung in der Arena.

 

10. Wie bereitest Du Dich auf ein Spiel vor?

Natürlich ist es unabdingbar, sich eingehend mit den Namen und der Aufstellung der gegnerischen Mannschaft auseinander zu setzen. Antti hilft mir dabei mit seiner Riesen-Erfahrung. Ich kann viel von ihm lernen und wir stimmen uns dabei auch ab, was er im Radio und ich in der Arena sagen werden. Zentrale Vorbereitung ist mit der Regie-Besprechung gegeben, wo von Einlaß bis Spielende im Detail festgelegt wird, wann welche Informationen rund um das Spiel gestreut werden (z.B. Hinweise, Werbedurchsagen etc.). Während des Spielverlaufs schreibe ich alle Durchsagen akribisch mit, um Missverständnissen und Fehlern vorzubeugen. Auf der Bank führt unser Punktrichter Andreas Richter als Chef des Bankpersonals die Aufsicht und kann ggf. korrigierend eingreifen. Mit ihm stimme ich die Ansagen während des Spiels immer ab.

 

11. Was war dein schlimmster Versprecher ?

Trotz aller Professionalität ist es menschlich, wenn in der größten Hektik auch mal Fehler passieren. Am schlimmsten ist natürlich, wenn man Tore für die eigene oder gegnerische Mannschaft verwechselt. Solche Sachen passieren dann, wenn sich auf der Zeitnehmerbank Hektik verbreitet (z.B. bei lange dauerndem Video-Beweis oder vielen anfallenden Strafen auf einmal, sowas ist immer eine heikle Geschichte). Ich erinnere mich z.B. an einen Vorfall, als der Schiedsrichter in einem Beweisfall die Hintertor-Kamera zu Rate ziehen wollte, deren Bilder aber aus technischen Gründen in der Halle nicht zur Verfügung standen. Wir mussten dann den Ü-Wagen der Telekom vor der Arena bemühen, die Bilder einzuspielen. Um die Zeit, bis die Bilder in die Halle zurückgespielt werden konnten zu überbrücken, hat mich der Ref dann gebeten, die Ursache für die Verzögerung dem Hallenpublikum bekannt zu geben, damit keine Unruhe entsteht. Sowas ist natürlich unangenehm, da es dafür immer Pfiffe gibt. Ähnlich wie die Pflichtansagen, die beim Werfen von Gegenständen aufs Eis erfolgen müssen. Da sind negative Publikumsreaktionen immer vorprogrammiert. In solchen Ausnahmefällen gilt es also, möglichst die Ruhe und Übersicht zu bewahren. Manchmal kommt es auch vor, dass die Schiedsrichter einen anderen Torschützen gesehen haben, dann müssen wir dies auch gegen besseres Wissen weitergeben und später evtl. korrigieren, denn wir sind an die Aussagen der Schiedsrichter gebunden. Was richtig Blödes ist mir Gottseidank noch nicht passiert.

 

12. Was können die Fans zu einer besseren Arena-Stimmung beitragen ?

Gute Frage! Ich glaube, dass wir wieder mehr soziales Miteinander, mehr Gemeinschaft brauchen und auch pflegen müssen. Es ist wie in einer Ehe: Alle müssen daran mitarbeiten, dass Eishockey Teil unseres Lebens und das Spiel ein Highlight der Woche wird bzw. bleibt. Das bedeutet alle – die Organisation, Fans und Spieler – müssen mit Engagement daran mitwirken und jeder seinen kleinen Anteil dazu beitragen. Da mache ich auch gerne mit.


Lieber Jens mit dieser positiven und Nachdenkens werten Botschaft wollen wir das Interview beenden und danken herzlich für Deine Zeit und Auskunftsbereitschaft.

Bernd Rothacker, Mannheim den 05.08.2019